Naturprojekt - Kochen auf dem Wamsler Blätz Asch
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20.06.2015

Wem der Tee das Wetter vorhersagt …

… der hat wohl Traudl Manka getroffen. Beim „Landhaus Blätz“ in Asch hat die Landsberger Kräuterhexe mit rund 20 am wilden Grün Interessierten ihr Wissen und ihren Erfahrungsschatz geteilt. Zusammen mit Küchenchef Gottfried Blätz empfing sie am 20. Juni unbeeindruckt von dem wechselhaften Wetter die Teilnehmer in der Gartenlaube. Der alte Wamslerherd verbreitete da schon angenehme Wärme.

Selbermachen war angesagt. Jeder sollte von den vorgestellten Kräutern etwas pflücken, anschließend würde man gemeinsam ein mehrgängiges Menü zubereiten und es draußen im Garten verspeisen. Soweit die Theorie. Doch schon bei den ersten Schritten setzte Nieselregen ein. Dies nahm Traudl zum Anlass darauf hinzuweisen, dass man Blüten und Kräuter nicht bei Regenwetter, sondern möglichst an heißen Tagen pflücken sollte, damit sie aromatischer sind. Den meisten war die Wirkung der Lindenblüten bei Erkältungen bekannt, doch spätestens beim nächsten Strauch wunderte man sich: Ach, Holunder soll nicht bei Kopfweh genommen werden? Von „Hollerkiechla, Marmelad und Tunk“ schwärmte die Traudl in ihrem Lechrainer Dialekt, vom Tee aus den Blüten und Sirup aus den Beeren. Dann ging der Blick zu Boden zu Gundermann bzw. Gundelrebe und deren fast schon Allheilwirkung bei Zahn- und Ohrenweh, bei Gicht und Ischias, Leber- und Nierenleiden. Hier war es mal an der Zeit, die Maßeinheit der Kräuterfrau ins Spiel zu bringen: eine kleine Handvoll reichte schon.

Den Löwenzahn glaubte man zu kennen, und doch war noch Platz für Neues: dass man von der jungen Pflanze alles essen kann außer dem Stängel, dass alles jedoch geradezu giftig wird im Samenstand. Bei der Malve beendete ein Regenguss die gemütlichen Ausführungen. Schnell grapschte Traudl sich ein paar Kräuter und ein übergroßes Blatt und führte unter dem schützenden Vordach die grüne Lehrstunde fort: „Rhabarberplätsche“ auf keinen Fall essen, den Strunk immer herausdrehen, um die Pflanze gesund zu erhalten, usw.

Es folgten Klettwurz und Gänsefingerkraut, Beifuß und Wilde Rade, Malve und Brennnessel. Letztere zeige besonders gut an, wie das Wetter wird: folgen warme Tage, hat der Tee eine helle Farbe, folgen Regentage, wird er dunkler. Dass man Heiltees nur sparsam trinken soll, verwunderte doch einige: nur eine Tasse am Tag, maximal drei Tage hintereinander, sonst verpufft die Wirkung, oder es werden sogar Organe geschädigt.

Inzwischen hatten eifrige Hände Geschirr und Gläser aus der Küche gebracht, und so wurde gemeinsam geschnippelt und gerührt und eine Nachspeise hergestellt, ein wahrer Augenschmaus in Rot-Weiß-Grün: ein Erdbeerbecher mit Quark, Joghurt, Champagner-Erdbeermarmelade, Minze und Erdbeerblättern. Staunen auch hier: Erdbeerblätter konnte man essen? Ja, am besten die zarten, noch wachsenden. Kühlstellen erübrigte sich bei diesen Temperaturen. Schon eher musste man sich selbst warmhalten.

Also wechselte die Gruppe zum Wamslerherd, wo Gottfried aus karamelisiertem Zucker, Erdbeeren und Rhabarber eine süßsaure Dunkelbiersoße zauberte. Josef Manka jun. mischte frische, gehackte Kräuter mit Olivenöl, das er auf gerösteten Weißbrotscheiben mit Lachsforelle anrichtete. Die Vorspeise war ein Gedicht. Seine kurz gegrillten Steaks mit der fruchtigen roten Soße ebenfalls. Durch den Fleischwolf drehte der Koch daraufhin einige Handvoll blanchierte Kräuter zusammen mit Knoblauchzehen und Pinienkernen und bereitete mit Olivenöl ein herzhaftes Pesto, das den frischen italienischen Bandnudeln ein einzigartiges Aroma verlieh. Dabei geizte er nicht mit Tipps aus der heimischen Kräuterküche.

Dass Erdbeeren viel Vitamin C enthalten, sehr wirksam Halsschmerzen, Rheuma und Arthritis lindern, stimmte die Besucher auf die Nachtischkelche ein. Josef rundete das Menü noch mit einem frisch bereiteten Erdbeer-Limes ab, während Traudl von den neuen „Schmusies“ sprach, die man früher nur Säuglingen und zahnlosen Alten verabreicht hatte, die heute aber als Smoothies für viel Geld in der Bio-Kühltheke zu haben sind. Und weil auch eine Kräuterhexe mit der Zeit gehen muss, gab sie auch zu deren Bereitung großzügig hilfreiche Hinweise.

Verschiedene selbst bereitete Öle und Salben sowie Rezepte und Kräuter-Datenblätter rundeten das Angebot ab. Im nächsten Sommer lädt Traudl Manka wieder zum lustigen Kräuterseminar mit Verkostung ein, dann im Juli, damit man andere Kräuter kennenlernt. Bis dahin kann man sie auf ihrer Homepage http://rengtengteng.de.tl oder auf dem Landsberger Sonnenacker besuchen, an einem Schönwettertag. Wann der nächste kommt? Kochen Sie sich einen Tee, er zeigt es Ihnen!

Carmen Kraus, Landsberg am Lech



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